Flipped Teaching mit Kurzvorträgen in Großgruppenveranstaltungen

Kurzzusammenfassung:

Bei diesem Lehr-Lern-Arrangement geht es um die Aktivierung der Studierenden in Großgruppenveranstaltungen und die Verbesserung ihres Lernerfolges durch das Präsentieren eines kontextrelevanten Themas in einem Kurzvortrag. Ziel ist es, dass sich Studierende Wissen selbst aneignen und aufbereiten und die gemeinsame Präsenzzeit trotz einer großen Anzahl an Studierenden aktiv genutzt werden kann.


Übersicht

Ziele:

  • Die Studierenden können sich selbstständig in ein vorgegebenes Thema einarbeiten.
  • Die Studierenden können einen Kurzvortrag (max. 5 Minuten) zu diesem Thema erstellen.
  • Die Studierenden können den Kommiliton(inn)en ihr Thema verständlich präsentieren.

Didaktische Funktion(en):

  • Einstieg & Aktivierung
  • Informationsaneignung
  • Wiederholung & Festigung

Hintergrund / didaktisch-methodische Einordnung:

Flipped Teaching – auch „Flipped Classroom“, „Inverted Classroom“oder „umgedrehter Unterricht“ genannt – zeichnet sich durch die besondere Reihenfolge von Präsenz-und Selbstlernphase aus. Gegenüber „traditioneller Lehre“, welche sich in eine erste inputorientierte gemeinsame Präsenzphase sowie eine zweite aktive Selbstlernphase (z.B. mit Lernaufgaben) unterteilt, sind diese Phasen bei Flipped Teaching sprichwörtlich umgedreht: Zuerst findet eine individuelle Selbstlernphase der Studierenden statt (meist Zuhause mit digitalen Lehrmitteln), im Anschluss daran wird die gemeinsame Präsenzzeit aktiv genutzt, zum Beispiel um „an das Vorwissen der Lernenden anzuknüpfen, Inhalte der Selbstlernphase zu reflektieren, zu interpretieren, um mit kooperativen, partizipativen Lernformen die Inhalte multiperspektivisch zu beleuchten“ (Sailer & Figas 2018, S. 321). Da es bei diesem Lehr-Lern-Arrangement auch darum geht, dass durch den Prozess des Vortragens Lernprozesse angestoßen werden, spielen Prinzipien des sogenannten Lernens durch Lehren eine Rolle (siehe hierzu auch das beschriebene Lehr-Lern-Arrangement Lernen durch Lehren sowie den Beitrag zu Seminarvorträge als Lerngelegenheit).

Sozialform(en):

Plenum

Anzahl der Lernenden:

ab 2 Personen


Voraussetzungen und Ressourcen

Voraussetzungen:

Lehrpersonen benötigen einen Vortrag pro Studierendem. Bereits vorhandene Vortragsfolien (z.B. ein einzelnes Schaubild) sind sehr hilfreich (so müssen die Studierenden ihre eigenen Geräte nicht immer wieder an- und abstecken).

Ausstattung & Medien:

Seminarraum je nach Anzahl der Lernenden, PC, 1 Beamer


Ablauf

Hinweise zur Vorbereitung:

Die einzelnen Themen sollten nicht zu komplex sein, da sich die Vortragszeit auf max. 5 Minuten beschränken soll.
Die Studierenden bereiten ihre Themen zuhause vor, damit die Präsenzphase aktiv genutzt werden kann (siehe: Hintergrund / didaktisch-methodische Einordnung).

Hinweise zur Nachbereitung:

Nach dem Vortrag können von den Studierenden im Plenum Fragen gestellt werden.

Hinweise zur Dauer: Stark abhängig von der Anzahl der Studierenden (meist müssen die Vorträge auf mehrere Veranstaltungen aufgeteilt werden).


Kritische Einordnung

Vorteile und Stärken:

Lernen durch Lehren. Übung im Präsentieren. Abwechslungsreich, da regelmäßig eine andere Person präsentiert.

Grenzen und Schwächen:

Vergleichsweise zeitaufwändig.

Sonstige Hinweise:

Das hier beschriebene Lehr-Lern-Arrangement beinhaltet die Verwendung von Flipped Teaching in Großgruppenveranstaltungen. Dabei werden Studierende durch die Präsentation eines Kurzvortrags aktiviert.


Literatur und weiterführende Hinweise
  • Sailer, M.; Figas, P. (2017): Flipped Teaching in Higher Education. A closer look on learning videos and classroom activities in relation to learning performance. In: Pedagogy theory & praxis 9, S. 40–57.
  • Sailer, M. & Figas, P. (2018): Umgedrehte Hochschullehre. Eine Experimentalstudie zur Rolle von Lernvideos und aktivem Lernen im Flipped Teaching. In: die Hochschullehre, 4, S. 317-338.
  • Reich, K. (Hrsg.): Referate. In: Konstruktivistischer Methodenpool. Abrufbar unter: http://methodenpool.uni-koeln.de.

Reflexion zum Seminarvortrag mit Peer-Feedback

Kurzzusammenfassung:

Bei der „Reflexion zum Seminarvortrag mit Peer-Feedback“ geht es darum, dass Zuhörende (Studierende) im Rahmen von Seminarvorträgen ein Feedback für die Vortragenden (ebenfalls Studierende) verfassen. Dies hat zum Ziel, dass zum einen die Vortragenden eine Rückmeldung erhalten und somit ihre Außenwirkung reflektieren können, zum anderen müssen die Zuhörenden ein konstruktives Feedback verfassen.


Übersicht

Ziele:

  • Die Studierenden (Vortragenden) erhalten eine Rückmeldung zu ihren Vorträgen und können somit ihre Außenwirkung reflektieren.
  • Die Studierenden (Zuhörenden) geben aktives Feedback zu den Präsentationen.

Didaktische Funktion(en):

  • Rückmeldung & Feedback

Hintergrund / didaktisch-methodische Einordnung:

Feedback ist eine Art der Rückmeldung von Personen oder Gruppen, wie ein bestimmtes Verhalten wahrgenommen und verstanden wird. Das Ziel beim Feedback ist die Schulung der Selbstwahrnehmung, um das eigene Verhalten bewerten und steuern zu können (vgl.  Reich 2008).

Sozialform(en):

Einzelarbeit, Plenum

Anzahl der Lernenden:

keine Einschränkung


Voraussetzungen und Ressourcen

Voraussetzungen:

  • Personen, die Feedback geben müssen in der Lage sein, dies sachlich, neutral und konstruktiv zu tun.
  • Personen, die Feedback erhalten müssen kritikfähig und lernbereit sein, um mögliche Anmerkungen zu reflektieren und ggf. umzusetzen.

Ausstattung & Medien:

Ggf. eine Feedbackvorlage


Ablauf

Beispiele oder Materialien:

Beispielaufgabe:

Bitte geben Sie ein sachliches und konstruktives Feedback zum Vortrag 
„Quantencomputing für Babys“ und nutzen Sie hierfür die beigelegte Vorlage.  

Mögliche Feedbackvorlage

Hinweise zur Vorbereitung:

Der Feedbackbogen muss einmal erstellt und online zugänglich gemacht werden

Hinweise zur Nachbereitung:

Die Rückmeldung(en) werden persönlich oder ggf. im Plenum besprochen

Hinweise zur Dauer: Abhängig von der benötigten Nachbesprechungszeit


Kritische Einordnung

Vorteile und Stärken:

  • Feedback ist eine nützliche Technik bei der Selbstentwicklung und -einschätzung

Grenzen und Schwächen:

  • Kritik kann unsachlich oder verletzend formuliert sein
  • Person kann nicht mit Kritik umgehen und nimmt diese als eine persönliche Kritik an

Sonstige Hinweise: Die Methode Seminarvortrag (Referat) wird in dem Lehr-Lern-Arrangement Seminarvorträge als Lerngelegenheit näher beschrieben. Neben der Reflexion durch Peer-Feedback sind auch andere angeleitete Reflexionen und/oder konstruktives Feedback sinnvoll, zum Beispiel mittels Videofeedback. Diese Verfahren eignen sich auch in Kombination.


Literatur und weiterführende Hinweise

Reich, K. (Hg.) (2008): Methodenpool, Feedback. In: URL: http://methodenpool.uni-koeln.de