Bearbeitung von Aufgaben innerhalb vorlesungsbegleitender Übungen

Kurzzusammenfassung:

In diesem Lehr-Lern-Arrangement geht es um Lernaufgaben, welche innerhalb einer vorlesungsbegleitenden Übungsstunde von den Studierenden bearbeitet werden. Der gesamte Aufgabenprozess (Einführung, Bearbeitung, Besprechung und Vertiefung sowie Abschluss) findet direkt innerhalb der Übung statt. Die Studierenden erhalten zu Beginn Aufgabenblätter und bearbeiten diese. Die Übungsleitung steht bei Fragen zur Verfügung und bespricht die Lösungen vollständig.


Übersicht

Ziele:

  • Die Studierenden beschäftigen sich intensiv mit den Vorlesungsinhalten in der Übung.
  • Die Studierenden werden in den Übungen selbst aktiv und bearbeiten gestellte Aufgaben.
  • Die Studierenden erhalten direkte Rückmeldung zu ihren Lösungen und müssen nicht bis zur nächsten Besprechung (i.d.R. eine Woche später) warten.

Didaktische Funktion(en):

  • Wiederholung & Festigung
  • Transfer & Anwendung
  • Beurteilung
  • Rückmeldung & Feedback

Hintergrund / didaktisch-methodische Einordnung:

In „traditionellen Lehrformaten“ – gemeint sind damit Präsenzveranstaltungen, welche primär auf eine Wissensvermittlung abzielen (vgl. Sailer & Figas 2018) – spielen häufig Lernaufgaben eine Rolle. In vielen Fällen werden diese im Anschluss an die Wissensaneignung individuell von Studierenden außerhalb der Lehrveranstaltung bearbeitet (vgl. ebd.). Wenn es sich dabei um kleinere Aufgaben handelt mit einer geringen Bearbeitungszeit, die begleitend zu einer Lehrveranstaltung mit engem Rückbezug zu dieser eingesetzt werden, kann diese Art der aufgabenorientierten Lehre auch als „Strategie der kleinteilig-begleitenden Aufgaben“ bezeichnet werden (vgl. Bartel 2019), welche etwa in Übungen nach der Bearbeitung besprochen werden (siehe hierzu z.B. das Lehr-Lern-Arrangement Aufgabenbesprechung in Übungen). In dem hier vorgestellten Lehr-Lern-Arrangement werden die Aufgaben jedoch nicht in Einzelarbeit außerhalb der Lehrveranstaltung bearbeitet, sondern der gesamte Aufgabenprozess – Einführung, Bearbeitung, Besprechung und Vertiefung sowie Abschluss (vgl. Figas et al. 2014) – findet innerhalb der Präsenzphase statt, wie es etwa auch im Flipped Teaching üblich ist (Sailer & Figas 2018, S. 321). Das hier beschriebene Lehr-Lern-Arrangement lässt sich auf verschiedene Aufgabenformate anwenden (zu Aufgabenformaten siehe Bartel & Hagel 2015).

Sozialform(en):

Einzelarbeit, Partnerarbeit, Kleingruppenarbeit (3-5)

Anzahl der Lernenden:

1 bis 30 Personen


Voraussetzungen und Ressourcen

Voraussetzungen:

Lehrpersonen müssen sich gut mit den Inhalten der Übung und den Aufgaben auskennen, da diese bei Fragen Hilfestellung geben sollen und auch die Lösung live vorstellen.

Ausstattung & Medien:

Seminarraum je nach Anzahl der Lernenden, PC, 1 Beamer


Ablauf

Beispiele oder Materialien:

Beispielaufgabe:

Hinweise zur Vorbereitung:

  • Konzeption von Aufgaben.
  • Vorbereiten eines Lösungsvorschlags.

Hinweise zur Nachbereitung:

  • Die Ergebnisse werden ggf. gespeichert und den Lernenden zur Verfügung gestellt.

Hinweise zur Dauer: Insgesamt ca. 90 Minuten (je eine Übungseinheit)


Kritische Einordnung

Vorteile und Stärken:

  • Die Studierenden beschäftigen sich in der Übung mit den Lehrinhalten.
  • Die Studierenden können sich bei Problemen untereinander austauschen.
  • Die Studierenden können ihren eigenen Wissensstand überprüfen.

Grenzen und Schwächen:

  • Studierende beschäftigen sich möglicherweise nicht mehr zusätzlich mit den Lehrinhalten zu Hause.

Sonstige Hinweise:


Literatur und weiterführende Hinweise
  • Bartel, Paula (2019): Aufgabenorientierte Hochschullehre: Eine explorative Untersuchung zum Einsatz von Lernaufgaben in der Hochschullehre aus allgemeindidaktischer und fachdidaktischer Sicht. Dissertation. Universität Augsburg.
  • Figas, Paula et al. (2014): Man wächst mit seinen Aufgaben. Über die kompetenzorientierte Konstruktion von Lernaufgaben in der Hochschullehre am Beispiel von Software Engineering. In: Ralle, Bernd et al. (Hrsg): Lernaufgaben entwickeln, bearbeiten und überprüfen. Ergebnisse und Perspektiven fachdidaktischer Forschung. Münster: Waxmann, S. 246–249.
  • Figas, Paula; Bartel, Alexander; Hagel, Georg (2015): Übung macht den Meister? Lernaufgabentypen im Hochschulfach Software Engineering. In: Spillner, Andreas; Lichter, Horst (Hrsg.): Tagungsband des 14. Workshops ”Software Engineering im Unterricht der Hochschulen” (SEUH). Dresden, S. 21–27.
  • Figas, Paula; Hagel, Georg (2016): Merkmale hochschuldidaktischer Lernaufgaben aus Studierendensicht. In: Stefan Keller und Christian Reintjes (Hg.): Aufgaben als Schlüssel zur Kompetenz. Münster: Waxmann, S. 417-428.
  • Sailer, Maximilian; Figas, Paula (2018): Umgedrehte Hochschullehre: Eine Experimentalstudie zur Rolle von Lernvideos und aktivem Lernen im Flipped Teaching. In: Die Hochschullehre 4, S. 317–338.

Flipped Teaching mit Kurzvorträgen in Großgruppenveranstaltungen

Kurzzusammenfassung:

Bei diesem Lehr-Lern-Arrangement geht es um die Aktivierung der Studierenden in Großgruppenveranstaltungen und die Verbesserung ihres Lernerfolges durch das Präsentieren eines kontextrelevanten Themas in einem Kurzvortrag. Ziel ist es, dass sich Studierende Wissen selbst aneignen und aufbereiten und die gemeinsame Präsenzzeit trotz einer großen Anzahl an Studierenden aktiv genutzt werden kann.


Übersicht

Ziele:

  • Die Studierenden können sich selbstständig in ein vorgegebenes Thema einarbeiten.
  • Die Studierenden können einen Kurzvortrag (max. 5 Minuten) zu diesem Thema erstellen.
  • Die Studierenden können den Kommiliton(inn)en ihr Thema verständlich präsentieren.

Didaktische Funktion(en):

  • Einstieg & Aktivierung
  • Informationsaneignung
  • Wiederholung & Festigung

Hintergrund / didaktisch-methodische Einordnung:

Flipped Teaching – auch „Flipped Classroom“, „Inverted Classroom“oder „umgedrehter Unterricht“ genannt – zeichnet sich durch die besondere Reihenfolge von Präsenz-und Selbstlernphase aus. Gegenüber „traditioneller Lehre“, welche sich in eine erste inputorientierte gemeinsame Präsenzphase sowie eine zweite aktive Selbstlernphase (z.B. mit Lernaufgaben) unterteilt, sind diese Phasen bei Flipped Teaching sprichwörtlich umgedreht: Zuerst findet eine individuelle Selbstlernphase der Studierenden statt (meist Zuhause mit digitalen Lehrmitteln), im Anschluss daran wird die gemeinsame Präsenzzeit aktiv genutzt, zum Beispiel um „an das Vorwissen der Lernenden anzuknüpfen, Inhalte der Selbstlernphase zu reflektieren, zu interpretieren, um mit kooperativen, partizipativen Lernformen die Inhalte multiperspektivisch zu beleuchten“ (Sailer & Figas 2018, S. 321). Da es bei diesem Lehr-Lern-Arrangement auch darum geht, dass durch den Prozess des Vortragens Lernprozesse angestoßen werden, spielen Prinzipien des sogenannten Lernens durch Lehren eine Rolle (siehe hierzu auch das beschriebene Lehr-Lern-Arrangement Lernen durch Lehren sowie den Beitrag zu Seminarvorträge als Lerngelegenheit).

Sozialform(en):

Plenum

Anzahl der Lernenden:

ab 2 Personen


Voraussetzungen und Ressourcen

Voraussetzungen:

Lehrpersonen benötigen einen Vortrag pro Studierendem. Bereits vorhandene Vortragsfolien (z.B. ein einzelnes Schaubild) sind sehr hilfreich (so müssen die Studierenden ihre eigenen Geräte nicht immer wieder an- und abstecken).

Ausstattung & Medien:

Seminarraum je nach Anzahl der Lernenden, PC, 1 Beamer


Ablauf

Hinweise zur Vorbereitung:

Die einzelnen Themen sollten nicht zu komplex sein, da sich die Vortragszeit auf max. 5 Minuten beschränken soll.
Die Studierenden bereiten ihre Themen zuhause vor, damit die Präsenzphase aktiv genutzt werden kann (siehe: Hintergrund / didaktisch-methodische Einordnung).

Hinweise zur Nachbereitung:

Nach dem Vortrag können von den Studierenden im Plenum Fragen gestellt werden.

Hinweise zur Dauer: Stark abhängig von der Anzahl der Studierenden (meist müssen die Vorträge auf mehrere Veranstaltungen aufgeteilt werden).


Kritische Einordnung

Vorteile und Stärken:

Lernen durch Lehren. Übung im Präsentieren. Abwechslungsreich, da regelmäßig eine andere Person präsentiert.

Grenzen und Schwächen:

Vergleichsweise zeitaufwändig.

Sonstige Hinweise:

Das hier beschriebene Lehr-Lern-Arrangement beinhaltet die Verwendung von Flipped Teaching in Großgruppenveranstaltungen. Dabei werden Studierende durch die Präsentation eines Kurzvortrags aktiviert.


Literatur und weiterführende Hinweise
  • Sailer, M.; Figas, P. (2017): Flipped Teaching in Higher Education. A closer look on learning videos and classroom activities in relation to learning performance. In: Pedagogy theory & praxis 9, S. 40–57.
  • Sailer, M. & Figas, P. (2018): Umgedrehte Hochschullehre. Eine Experimentalstudie zur Rolle von Lernvideos und aktivem Lernen im Flipped Teaching. In: die Hochschullehre, 4, S. 317-338.
  • Reich, K. (Hrsg.): Referate. In: Konstruktivistischer Methodenpool. Abrufbar unter: http://methodenpool.uni-koeln.de.