Einführung von ethischen Themen der Softwareentwicklung mit Fallbeispielen

Kurzzusammenfassung:

In diesem Lehr-Lern-Arrangement geht es darum, dass Studierende sich mit dem Thema Ethik innerhalb der Disziplin Software Engineering auseinandersetzen. Die Studierenden erhalten einerseits theoretischen Input und andererseits Fallbeispiele zur Bearbeitung ethischer Themen im Software Engineering.


Übersicht

Ziele:

  • Die Studierenden sollen für ethische Themen im Software Engineering und deren Tragweite sensibilisiert werden
  • Die Studierenden verstehen die Wichtigkeit des Themas Ethik
  • Die Studierenden kennen ethische Leitlinien der Gesellschaft für Informatik oder IEEE und können diese verstehen und anwenden
  • Die Studierenden sollen ihre Reflexionsfähigkeit stärken

Didaktische Funktion(en):

  • Informationsaneignung
  • Sensibilisierung

Hintergrund / didaktisch-methodische Einordnung:

Die Ethik benennt den Bereich der Normenbegründung, die dabei z.B. auf „oberste Normen“ oder „Prinzipien“ zurückgreift. Die Moral benennt den Ort, an dem Ethik praktisch wird. Ethik beschäftigt sich also damit, in welchem Moment eine Handlung zu einer moralisch guten Handlung wird. Dabei spielen Begriffe, wie Moral, das Gute, Pflicht, Sollen, Erlaubnis, Glück etc. eine Rolle. Die Ethik beschäftigt sich methodisch mit moralischen Handlungen und will zu argumentativ begründeten Ergebnissen gelangen aber keine Handlungsanweisungen vorschreiben. Es gibt verschiedene Leitlinien für ethisches Handeln von unterschiedlichen Organisationen. Im Bereich Software Engineering stehen beispielsweise die ethischen Richtlinien der Gesellschaft für Informatik zur Verfügung. Dieses LLA zum Thema Ethik in der Softwareentwicklung kann dem theoretischen Rahmen des induktiven Lernens, konkret dem problembasierten Lernen, zugeordnet werden.

Induktives Lehren und Lernen ist ein umfassender Begriff, welcher verschiedene Methoden wie beispielsweise forschungsbasiertes Lernen, problembasiertes Lernen, projektbasiertes Lernen, fallbasiertes Lernen, oder Just-in-time-teaching umfasst. Eine Gemeinsamkeit dieser Ansätze ist das lerner-zentrierte Design, was bedeutet, dass die Verantwortung für das eigene Lernen, im Vergleich zu traditionellen Lehr/-Lernansätzen mehr auf Seiten des Lernenden liegt (Prince, M. J., Felder, R. M., 2006).  Der Einsatz induktiver Lehrmethoden wird gestützt von Forschungsergebnissen, welche besagen, dass Studierende lernen, indem sie neue Informationen in bestehende kognitive Strukturen einordnen. Wenn es nur wenige Verbindungen zum bestehenden Wissen der Studierenden gibt, ist es unwahrscheinlich, dass Lernen stattfinden kann. Induktiven Lehrmethoden liegt der Konstruktivismus zugrunde, welcher auf der Ansicht basiert, dass jeder Lernende seine eigene Version der Realität konstruiert, statt bloßes Wissen zu absorbieren, welches von Seiten der Lehrkräfte präsentiert wird.

Sozialform(en):

Einzelarbeit, Partnerarbeit

Anzahl der Lernenden:

ab 1 Personen


Voraussetzungen und Ressourcen

Voraussetzungen:

Mind. 1 Lehrperson

Ausstattung & Medien:

  • Seminarraum
  • 1 Beamer
  • 1 Flipchart

Ablauf

Beispiele oder Materialien:

Creative Commons Lizenzvertrag
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Beispiel Einführungsaufgabe:

Die nächsten 5 Minuten haben sie Zeit, frei darauf los-zuschreiben, was ihnen zu Ethik ganz allgemein einfällt, was sie mit dem Begriff Ethik assoziieren.

Beispiele Wiederholung:

An welcher Stelle wird der Punkt „Professionalität“ in den Leitlinien der GI erwähnt?

Wie schätzen sie die Thematik. „Ethik im SE ein?“

Beispiel Fallbeispielaufgabe:

Bearbeiten Sie mit Hilfe des Diskussionsschemas (siehe Weber-Wulff, D. & Kollegen (2015)) den Fall „Zivilitäre Forschung“ (https://gewissensbits.gi.de/) und präsentieren sie ihre Ergebnisse in der Gruppe.

Hinweise zur Vorbereitung:

  • Konzeption von Aufgaben und Vorlesung Folien zum Thema Ethik
  • Suche & Auswahl eines geeignetem Fallbeispieles (z.B. hier: https://gewissensbits.gi.de/)

Hinweise zur Nachbereitung:

Die abgegebenen Aufgaben müssen kontrolliert und bewertet werden.

Hinweise zur Dauer: Insgesamt 2 Vorlesungen


Kritische Einordnung

Vorteile und Stärken:

Die Studierenden werden für zukünftige Arbeitsverhältnisse sensibilisiert.

Grenzen und Schwächen:

Die Bewertung der abgegebenen Aufgaben ist schwierig und darf nicht im Sinne einer inhaltlichen Beurteilung einer Meinung eines Studierenden erfolgen

Sonstige Hinweise:

Dieses Fach ist prüfungsrelevant und fließt somit in die Bewertung mit ein.

Fälle: https://gewissensbits.gi.de/

Leitlinien: https://gewissensbits.gi.de/ethische-leitlinien/


Literatur und weiterführende Hinweise

Schmidt, H.G. (1983). Problem‐based learning: rationale and description. In: Medical Education, Vol. 17, pp. 11-16

Prince, M. J., Felder, R. M. (2006). Inductive teaching and learning methods: Definitions, comparisons, and research bases. In: Journal of Engineering Education, vol. 95, no. 2, pp. 123-138

Weber-Wulff, D., Class, C., Coy, W., Kurz, C., & Zellhöfer, D. (2015). Gewissensbisse: Ethische Probleme der Informatik. Biometrie-Datenschutz-geistiges Eigentum. transcript Verlag.

Pieper, A. (2003): Einführung in die Ethik. 5., überarb.und aktualisierte Aufl. Tübingen: Francke (UTB für Wissenschaft Uni-Taschenbücher Philosophie, 1637).

Mathwig, F. (2000): Technikethik Ethiktechnik. Was leistet angewandte Ethik? Univ., Diss. u.d.T.: Mathwig, Frank: Technikethik im Spannungsfeld neuer Technologien und ethischer Tradition–Marburg, 1998. Stuttgart: Kohlhammer (Forum Systematik, 3).

Weber-Wulff, D. (2009): Gewissensbisse. Ethische Probleme der Informatik ; Biometrie -Datenschutz -geistiges Eigentum. Bielefeld: Transcript-Verl. (Kultur-und Medientheorie).