Seminarvortrag als Lerngelegenheit

Kurzzusammenfassung:

Der Seminarvortrag – auch Referat oder im Kontext von Hochschullehre auch „Studierendenvortrag“ genannt – gehört, besonders in Seminaren, wohl zu den mit am häufigsten verwendeten Methoden in der Hochschullehre. Unter einem Referat (lat. von referre: berichten) wird, kurz gesagt, ein Vortrag von Studierenden zu einem Thema verstanden, welcher in einer vorgegebenen Zeit gehalten wird. Neben der Tatsache, dass Seminarvorträge häufig zur Leistungsbeurteilung hinzugezogen werden, stellen sie aus verschiedenen Perspektiven wertvolle Lerngelegenheiten dar.


Übersicht

Ziele:

  • Die Studierenden können ein Thema eigenständig aufbereiten, Schwerpunkte setzen und geeignete Quellen und Informationen dazu finden.
  • Die Studierenden können ein Thema vor einer Gruppe an Kommilitoninnen und Kommilitonen präsentieren.

Didaktische Funktion(en):

  • Informationsaneignung
  • Wiederholung & Festigung

Hintergrund / didaktisch-methodische Einordnung:

Studierende können bei Seminarvorträgen verschiedene Ebenen von Präsentationskompetenz erwerben. Sie lernen zum Beispiel ein Thema systematisch aufzubereiten und passende Materialien anzufertigen, sie lernen in zweifacher Seite Zeitmanagement (sowohl bei der Vorbereitung als auch bei der Einhaltung der vorgegebenen Vortragsdauer) und vieles mehr. Zudem erfolgt eine inhaltliche Auseinandersetzung durch die adressatengerechte Aufbereitung des Themas für andere Studierende, weswegen einige Grundaspekte des Ansatzes Lernen durch Lehren (LdL) eine Rolle spielen. Für die Zuhörenden stellen Referate, auch im Sinne des Modelllernens, die Möglichkeit dar auf inhaltlicher und methodischer Ebene von anderen Studierenden zu lernen. Um die Lerneffekte bei Referaten zu unterstützen ist eine angeleitete Reflexion und konstruktives Feedback sinnvoll.

Sozialform(en):

Einzelarbeit, Plenum

Anzahl der Lernenden:

ab 2 Personen


Voraussetzungen und Ressourcen

Voraussetzungen:

Die Anforderungen, welche die Lehrperson an ein qualitativ hochwertiges Referat hat (u.a. Gestaltungskriterien, Zitation, Mediengestaltung etc.), müssen zu Beginn geklärt und transparent kommuniziert sein (idealerweise mit Zusatzmaterial und einer eigenen Stunde zu diesem Thema).

Ausstattung & Medien:

Seminarraum je nach Anzahl der Lernenden, je nach Präsentationsart ggf. PC und Beamer


Ablauf

1) Einführung: Die Studierenden erhalten Informationen zum Vorbereiten und Halten eines Referats. Die Themen werden verteilt.

2) Vorbereitung: Die Studierenden erhalten ausreichend Zeit zur Vorbereitung (je nach Komplexität des Themas 3-6 Wochen). Während dieser Zeit steht die Lehrperson für Fragen zur Verfügung.

3) Durchführung: Die Studierenden halten ihre Vorträge (zum Beispiel ein Vortrag pro Seminarstunde). Dabei besteht folgende Aufteilung: 10-15 Minuten Vortrag, 5-10 Minuten Aktivierung und Einbeziehen der Zuhörenden (z.B. durch Fragen, Quizzes etc.), 15 Minuten für Fragen und Diskussion.

4) Feedback und Reflexion: Die Studierenden erhalten konstruktives Feedback und ggf. weitere Reflexionsmöglichkeiten, zum Beispiel mittels Peer-Feedback oder einer Videoaufzeichnung.

Hinweise zur Vorbereitung:

Eine Liste an verschiedenen Wahlthemen muss ausgearbeitet werden, Kriterien zur Gestaltung von Referaten sowie organisatorische Aspekte müssen definiert und festgehalten werden.

Hinweise zur Nachbereitung:

Die Präsentationsunterlagen werden ggf. gespeichert und den Lernenden zur Verfügung gestellt.

Hinweise zur Dauer: Insgesamt pro Referat 15-30 Minuten


Kritische Einordnung

Vorteile und Stärken:

Referate eignen sich sowohl als Leistungsüberprüfung als auch als Lerngelegenheiten. Abgesehen von der sorgfältigen Themenauswahl sowie einer ausführlichen Einführung, sind Referate mit einem vergleichsweise geringem Vorbereitungsaufwand für die Lehrperson verbunden. Da Vorträge in vielen Berufen eine Rolle spielen, ist die Förderung von Präsentationskompetenz in der Hochschullehre wichtig.

Grenzen und Schwächen:

Es besteht die Gefahr, dass die Referate Züge von Frontalunterricht bekommen. Insbesondere bei mehreren Referaten nacheinander ohne einer Aktivierung können die Zuhörenden leicht abgehängt werden. Der Lernerfolg der Zuhörenden hängt somit maßgeblich von der Präsentationskompetenz der Vortragenden ab.

Sonstige Hinweise:

Um die Lerneffekte zu unterstützen ist eine weitere Reflexion, zum Beispiel angeregt durch ein Feedback zu dem Referat, wichtig. Beispiele hierfür sind neben einem Feedback der Lehrperson auch Peer-Feedbacks, ein systematischer Reflexionsbogen oder eine Videoaufzeichnung der Vorträge.


Literatur und weiterführende Hinweise
  • Hochmann, Björn (2009): Referieren in Schule und Universität: Wie hält man ein Referat: Vorbereitung und Durchführung. GRIN Verlag.
  • Presler, Gerd; Döhmann, Jürgen (2004): Referate schreiben, Referate halten: ein Ratgeber. 2. Auflage. W. Fink.
  • Reich, Kersten (Hrsg.): Referate. In: Konstruktivistischer Methodenpool. Abrufbar unter: http://methodenpool.uni-koeln.de