Scrum: Abschluss-Review und -Retrospektive im Fach Software Engineering

Kurzzusammenfassung:

Das Lehr-Lern-Arrangement sieht für das Themenfeld Software Engineering (SWEG) vor, dass Studierende im abschließenden Review die gesamten fachlichen Curriculumsinhalte des Kurses noch einmal im Rückblick erhalten und sich darüber auch eine Respektive zur Entwicklung ihrer Selbstlernkompetenz vollziehen. Ziel ist es, den Software-Entwicklungszyklus nochmals bewusst zu machen. Sowohl die Kompliziertheit des Umfangs als auch die Komplexität werden auf einen Blick ersichtlich und kognitiv von Studierenden wahrgenommen. Es entsteht kollaborativ eine Zuordnung der Lernbausteine zu den Phasen des SWEG.


Übersicht

Ziele:

  • Die Studierenden können Fachbegriffe (er-)kennen und verstehen und in den Software Entwicklungszyklus einordnen.
  • Die Studierenden können das „Fachvokabular“ durch den Bezug erlebter Beispiele szenariogerecht verwenden.
  • Die Studierenden erleben agiles Lernen mit struktureller Dokumentation.

Didaktische Funktion(en):

  • Einstieg (Demonstration des Lernumfangs)
  • Abschluss & Reflexion
  • Informations-aneignung
  • Wiederholung & Festigung
  • Rückmeldung & Feedback
  • Prüfungsvorbereitung

Hintergrund / didaktisch-methodische Einordnung:

Die Gestaltungsprinzipen des Konzepts Scrum Lernprozess Coaching werden angewandt. Das Prinzip der agilen Lehre zielt auf ein agiles Lernen ab. In Anlehnung an das agile Framework Scrum, welches per se durch seine Prinzipien Transparenz, Überprüfung und Anpassung bietet, wurde ein systemisch-didaktiktisches Konzept des sogenannten „Agilen and Lean Concepte of Teaching and Learning“ entwickelt. Die Rollen im Scrum Team, die Scrum Ereignisse wie Review und Retrospektive wurden als Elemente des Lernprozesses übertragen, sodass das studentische Lernen mit dieser „Lern“-Methode im Zentrum steht und der Erfahrungsraum für ein sich zu entwickelndes agiles MIND-Set in Kooperation geleistet wird. Es entstand ein didaktischer Prototyp für die Förderung der Selbstlernkompetenz und damit für die Stärkung des Gefühls der Selbstwirksamkeit von Studierenden.

Sozialform(en):

Einzelarbeit, Partnerarbeit, Kleingruppenarbeit (3-5), Großgruppenarbeit (6-20)

Anzahl der Lernenden:

ab 2 Personen


Voraussetzungen und Ressourcen

Voraussetzungen:

Lehrperson(en) benötigen Software-Engineering Kompetenz, sollten innovativen Methoden des kollaborativen Lernens offen gegenüberstehen und eine hohe Moderationskompetenz besitzen. Lernende benötigen Kenntnisse aus dem Bereich SWEG.

Ausstattung & Medien:

Online-Setting: Moodle/Jira und Kollaborations-plattform MURAL

Präsenz-Setting: Moodle/Jira und Moderationskarten in verschiedenen Farben und 6-mm-Edding Stifte


Ablauf

Beispiele oder Materialien:

Beispielaufgabe:

Welche fachlichen Lernbausteine umfasst der Kurs Software Engineering?

Schritt 1) Ordnen Sie die Fachbegriffe der unsortierte Liste gemeinsam auf dem zur Verfügung stehenden Template dem dargestellten Software Entwicklungszyklus entsprechend spaltenweise zu. 

Schritt 2) Färben Sie die Bausteine anhand der vorgegebenen Legende ein. Welche überfachlichen Kompetenzanforderung sind in den einzelnen Phasen wünschenswert?

Schritt 3) Ordnen Sie die Kompetenzen der unsortierte Liste gemeinsam auf dem zur Verfügung stehenden Template dem dargestellten Software Entwicklungszyklus entsprechend spaltenweise zu. Hier gibt es kein richtig oder falsch, es dient ihrer eigenen Reflexion persönlicher Entwicklungsfelder.

Hinweise zur Vorbereitung:

Konzeption von Vorlage-Template mit geeignetem Lerninhalten zur Vervielfältigung mit Share-Link. Vorbereiten von einem Lösungsüberblick, in welchem das Fachvokabular ordentlich und präzise dokumentiert ist.

Hinweise zur Nachbereitung:

Die Ergebnisse werden gespeichert und den Lernenden zur Verfügung gestellt.

Hinweise zur Dauer: Insgesamt ca. 30 Minuten


Kritische Einordnung

Vorteile und Stärken:

Sehr gut geeignet für Anfänger(innen) und Studierende im 3./4. Semester, es unterstützt die interaktive Kommunikation und Gruppen-Reflexion zwischen den Studierenden und kann als Voraussetzung zur strukturierten Prüfungsvorbereitung dienen.

Grenzen und Schwächen:

Vergleichsweise zeiteffektiv

Sonstige Hinweise:

Das Lehr-Lern-Arrangement entstand im Design-Based-Research Prozess als Prototyp 1 aus Online-Gesprächen mit Studierenden, die sich im „Scrum Stand-Up“ der Projektgruppen ergeben haben. In der letzten Online-Veranstaltung fand das abschließende Review und die Retrospektive statt. Dabei wurden einige Kernaussagen der Studierenden auf der Lernplattform intensiv diskutiert: etwa der Wunsch nach Strukturierung in der Lehrveranstaltung, ansprechender Gestaltung der Übungsunterlagen und laufendem Dialog zwischen Lernenden und Lehrenden, nach mehr Coaching und laufender Klärung von „Unverstandenem“. Die Auswertung dieser Gespräche konnte zwar nur als Momentaufnahme gelten, trotzdem ergaben sich daraus Impulse, die sofort umgesetzt wurden. Es entstand ein didaktischer Prototyp für die Förderung der Selbstlernkompetenz und damit für die Stärkung des Gefühls der Selbstwirksamkeit von Studierenden. Konturen von Gestaltungsvariablen für Design Research-Prozesse werden in Zukunft herausgearbeitet und wiederum in die Gestaltung des LLA einfließen.


Literatur und weiterführende Hinweise

Müller-Amthor, M. (2019): Scrum Lern-Prozess-Coaching. In: Werkstattberichte, Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten.