Scrum: Arbeiten in kollegialen Lerngruppen (KOLLERN)

Kurzzusammenfassung:

KOLLERN, ein Akronym für Kollegiales lernen, ist ein Lehr-Lern-Arrangement (LLA), bei dem sich Studierende miteinander bei der Aneignung von Wissen unterstützen. Ein anwesender ergebnisorientierter Lern-Prozess-Coach (LPC) hilft den Studierenden durch die Beantwortung von Fragen und vor allem durch die Anregung von Selbstreflexion bei den Studierenden in den vier Zyklusphasen des Scrum Lern-Prozess-Coaching: Plan, Do(ing), Review und Retrospektive. Ein LPC soll dabei nicht, wie im klassischen Sinne, Wissen an die Studierenden transferieren, sondern sie dabei unterstützen sich das benötigte Wissen selbst anzueignen. So werden mithilfe eines LPC individuell auf die Studierenden abgestimmte Lernstrategien entwickelt. Des Weiteren besteht die Stärke in diesem LLA darin, dass iterativ in kurzen Zeiträumen zur fachlichen und überfachlichen Kompetenzförderung adaptiv beigetragen wird.


Übersicht

Ziele:

  • Die Studierenden eignen sich nach gemeinsamer Lernbedarfsplanung das benötigte (Vor-)Wissen an.
  • Die Studierenden unterstützen sich, indem sie auftretende Fragen vertrauensvoll miteinander klären.
  • Je nach Lerntyp des Studierenden wird Gelegenheit geboten, sich aktiv mit dem Lehr-Lern-Inhalten selbst oder in Kleinstgruppe auseinander- und die Aufgabenstellung umzusetzen.
  • Nach dem Doing leitet ein LPC die Studierenden an, ihren aktuellen und erfolgreich erarbeiteten Wissensstand zu reflektieren.
  • Anfänglich weist ein erfahrener LPC darauf hin, dass Kennen und Wissen noch nicht für das erfolgreiche Bestehen einer Prüfung reicht. Zunehmend lernen die Studierenden Verantwortung zu übernehmen und für ihr Verstehen, szenariobasiertes Verwenden und selbstständiges Anwenden zu sorgen.

Didaktische Funktion(en):

  • Einstieg & Aktivierung
  • Informationsaneignung
  • Wiederholung & Festigung
  • Transfer & Anwendung
  • Rückmeldung & Feedback
  • (Weiter-)Entwicklung

Hintergrund / didaktisch-methodische Einordnung:

Das hier beschriebene Lehr-Lern-Arrangement basiert auf den pädagogischen Prinzipien von Lernbegleitung. Dabei handelt es sich um eine spezifische Rolle der Lehrperson, welche ihre primäre Funktion darin sieht, Lernprozesse individuell zu unterstützen. Dabei unterscheidet sie sich etwa von der Rolle eines Inputgebers oder eines Bewerters (vgl. Fahland et al. 2012). Darüber hinaus wird durch die kollegialen Lerngruppen Selbstgesteuertes Lernen unterstützt, wozu unter anderem die eigenständige Zielsetzung, Motivation, Wahl passender Lernstrategien, das Bewältigen von Schwierigkeiten sowie die Lernerfolgskontrolle gehören. Ein Kerngedanke des Lehr-Lern-Arrangements ist zudem, dass Studierende kooperativ und kollaborativ lernen, was aus pädagogischer Sicht vielfach positiv belegt ist. Im Methodenpool von Kersten Reich ist beispielsweise zu lesen: „Das gemeinsame Arbeiten erhöht den Lernanreiz, die Motivation und die mehrperspektivische Durch­dringung von Problemen“ (siehe Methodenpool Reich, zu Kriterien erfolgreicher Gruppen siehe z.B. Johnson & Johnson, 1990).

Sozialform(en):

Partnerarbeit, Kleingruppenarbeit (3-5),

Anzahl der Lernenden:

ab 2 Personen, bis maximal 6 Personen pro LPC


Voraussetzungen und Ressourcen

Voraussetzungen:

Das Profil eines LPC sollte wie folgt gekennzeichnet sein: sehr gute Kenntnisse über das jeweilige Themengebiet, möglichst ein/-e wenig ältere/-r Studierende/-r des gleichen Studiengangs, empathisch und einfühlsam für die jeweilige Lernsituation und respektvoll auf eventuelle Wissenslücken der Studierenden individuell hinweisend.

Ausstattung & Medien:

Seminarraum je nach Anzahl der Lernenden, PC, 1 Beamer


Ablauf

Beispiele oder Materialien:

Einfache vorbereitete Beispielaufgabe:

In einem Wald leben unterschiedliche Tiere. Jedes Tier hat einen Namen und eine öffentliche Methode fressen(). Ein Reh gehört zur Gattung der Tiere und besitzt ein privates Attribut fellfarbe, auf welches mithilfe von Gettern und Settern zugegriffen werden kann. In einem Wald stehen mindestens zehn Bäume.

a.) Entwerfen Sie ein Klassendiagramm für die oben beschriebenen Klassen (mitsamt ihrer Methoden und Attribute).

b.) Implementieren Sie das von Ihnen entworfene Klassendiagramm.

c.) Schreiben Sie eine main() Methode und erstellen Sie 100 Bäume mithilfe einer for-Schleife. Erstellen Sie zwei Rehe und rufen Sie jeweils die Methode fressen() auf.

Hinweise zur Vorbereitung:

Für die Selbstkontrolle, auch im Benchmark mit den Teilnehmenden und zur Selbstreflexion der Studierenden bietet sich zu Beginn der Veranstaltung ein Kahoot an.
Ein LPC sollte stets in der Lage sein, Studierenden eine Aufgabe zu stellen.

Hinweise zur Nachbereitung:

Die in der vergangenen Woche gesetzten Ziele der Studierenden sollten in der folgenden Woche erneut abgefragt werden. Ein LPC hat die Aufgabe auf Prokrastination mit verschiedenen Beratungsangeboten (Kurs- oder Gesprächsangebot) zu reagieren.

Hinweise zur Dauer: Insgesamt 90 Minuten


Kritische Einordnung

Vorteile und Stärken:

Das LLA ist sehr gut geeignet für Studien- Anfänger/-innen: Es unterstützt die Kommunikation und Interaktion zwischen den Studierenden sowie die strukturierte Entwicklung von Lerngemeinschaften. Es schärft den Blick auf den eigenen Lern-Prozess und stärkt die Selbstreflexions- und Willenskraft der Studierenden.

Grenzen und Schwächen:

Da die Studierenden intensiv durch einen LPC unterstützt werden sollen, bietet sich dieses Konzept nur bei einer geringen Anzahl von Studierenden pro Gruppe an.

Ein LPC kann auch entsprechend hochschulspezifisch qualifiziert sein. Kontakt: martina.mueller-amthor@hs-kempten.de

Sonstige Hinweise:

Das hier beschriebene Lehr-Lern-Arrangement beschreibt eine Unterrichtsform, bei der Studierende sich miteinander bei der Aneignung von Wissen unterstützen und gemeinsam Fragen sowie Herausforderungen klären und lösen.


Literatur und weiterführende Hinweise
  • Fahland, B. et al. (2012): Arbeitspapier Lernbegleitung. Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung. Hamburg.
  • Johnson, D. W; Johnson, R. T (1990): Cooperative Learning and research. In: S. Shlomo (Hrsg.): Cooperative learning theory and research. Preager, New York, S. 23–37.
  • Müller-Amthor, M.; Hagel, G.; Gensheimer, M.; Huber, F. (2020): „Scrum Higher Education – The Scrum Master Supports as Solution-focused Coach,“ 2020 IEEE Global Engineering Education Conference (EDUCON), Porto, Portugal, S. 948-952.
  • Reich, K. (Hg.): Gruppenarbeit. In: Methodenpool. Url: http://methodenpool.uni-koeln.de.