Just-In-Time Teaching mit maximal 30 Studierenden

Kurzzusammenfassung:

Bei Just-In-Time Teaching (JiTT) mit maximal 30 Studierenden sollen sich Studierende mit einem Kursinhalt auseinandersetzen und dazu Fragen beantworten. Dies dient der Aktivierung der Studierenden. Nach der Erarbeitung des Inhalts (z.B. lesen eines Buchkapitels) beantworten die Studierenden zehn Fragen. Die Antworten der Studierenden werden von der Lehrperson ausgewertet, konsolidiert und den Studierenden während der Vorlesung präsentiert.


Übersicht

Ziele:

  • Die Studierenden arbeiten sich selbstständig in ein vorgegebenes Thema ein.
  • Die Studierenden können Fragen zu dem erarbeiteten Inhalt beantworten.
  • Die Studierenden erkennen anhand des Feedbacks einer Lehrperson, welche inhaltlichen Defizite vorliegen und können die entsprechenden Inhalte nacharbeiten.

Didaktische Funktion(en):

  • Einstieg & Aktivierung
  • Informationsaneignung
  • Wiederholung & Festigung
  • Transfer & Anwendung
  • Beurteilung
  • Rückmeldung & Feedback

Hintergrund / didaktisch-methodische Einordnung:

Das hier vorgestellte Lehr-Lern-Arrangement basiert, wie bereits aufgezeigt, auf der Methode Just-in-Time Teaching, kurz JiTT, welche in den 90er Jahren entwickelt wurde (vgl. Novak 1999). Der Grundgedanke hiervon ist, dass sich Studierende in einer Selbstlernphase Wissen aneignen und der Lehrperson vor der gemeinsamen Präsenzveranstaltung eine Rückmeldung zu ihrem Lernstand geben. Durch diese Form des formativen Feedbacks erfahren Lehrende wie es Studierenden mit dem bisherigen Stoff geht, ob Unklarheiten und offene Fragen bestehen. Die Präsenzveranstaltung wird daraufhin anhand dieser Rückmeldungen konzipiert und kann beispielsweise dazu genutzt werden „interaktiv Fehlvorstellungen zu korrigieren, Fragen zu klären und weiterführende Inhalte zu behandeln“ (Hoechstetter 2013). Auf diese Weise wird das selbstständige Lernen unterstützt und der Lehr-Lern-Prozess interaktiv gestaltet. Das Lehrkonzept versteht die Lernenden nicht als passive Konsumenten von Bildung, sondern als zentrale Akteure, welche den Lehr-Lern-Prozess aktiv mitgestalten (vgl. Novak 1999). Andere Lehr-Lern-Arrangements, welche auf der Methode JiTT basieren, sind zum Beispiel für Übungen im Fach Game Physik dokumentiert.

Sozialform(en):

Einzelarbeit und Plenum

Anzahl der Lernenden:

2 bis 30 Personen


Voraussetzungen und Ressourcen

Voraussetzungen:

Eine Lehrperson stellt den Studierenden einen Lehrinhalt (z.B. ein Buchkapitel) bereit. Zur Fragestellung und Abgabe der Antworten muss eine Online-Plattform vorhanden sein.
Die Lehrperson muss die Fragen vorbereiten und bereitstellen.

Ausstattung & Medien:

Seminarraum je nach Anzahl der Lernenden, PC, 1 Beamer, Online-Plattform (zur Abgabe der Antworten).


Ablauf

Beispiele oder Materialien:

Beispielaufgabe (Fragen zu Lehrinhalt):

  1. Was haben Sie nicht verstanden / Welche Fragen haben Sie?
  2. Welche Inhalte dieses Kapitels waren Ihnen bereits bekannt? Woher?
  3. Wie funktioniert der Prozess XYZ?
  4. ...

Hinweise zur Vorbereitung:

Konzeption von geeigneten Fragen.

Hinweise zur Nachbereitung:

Die Antworten der Studierenden werden in Form einer Präsentation konsolidiert und mit den Studierenden besprochen.

Hinweise zur Dauer: Insgesamt ca. 370 Minuten


Kritische Einordnung

Vorteile und Stärken:

Studierende müssen sich aktiv mit Lehrinhalten befassen und diese durch gestellte Fragen reflektieren. Studierende erhalten Feedback zu ihrem aktuellen Wissensstand.

Grenzen und Schwächen:

Lesen / Konsolidierung sehr zeitaufwendig für Lehrpersonen.

Sonstige Hinweise:

Das hier beschriebene Lehr-Lern-Arrangement beschreibt eine Form von JiTT für Gruppen mit maximal 30 Leuten. Bei mehr Studierenden sind mehrere Lehrpersonen nötig, da das Lesen und die Konsolidierung studentischer Antworten sehr zeitaufwendig sind. Dennoch ist die Anwendung dieses LLAs gerade für Studierende sehr hilfreich.


Literatur und weiterführende Hinweise
  • Bartel, A., Hagel, G. (2016): Gamified Just-in-Time Teaching – A Conceptual Approach Based on Best Practices. In: Proceedings of the European Conference of Software Engineering Education. Aachen: Shaker, S. 1-17.
  • Hagel, Georg; Mottok, Jürgen; Müller-Amthor, Martina (2013): Drei Feedback-Zyklen in der Software Engineering-Ausbildung durch erweitertes Just-in-Time-Teaching. In: Spillner, Andreas; Lichter, Horst (Hrsg.): Software Engineering im Unterricht der Hochschulen SEUH 2013, Aachen. S. 17-26.
  • Hoechstetter, Karsten (2013): Just-in-Time Teaching: Vorbereitete Studierende, maßgeschneiderte Lehre – geht das? In: MINTTENDRIN Lehre erleben – Tagungsband zum 1. HDMINT Symposium, S. 80-88.
  • Novak, G. M., Patterson, E. T., Gavrin, A. D., Christian, W. (1999): Just-in-Time Teaching: Blending active Learning and Web Technology. Upper Saddle River, NJ, U.S.A.: Prentice Hall.
  • Tao, Y. et al. (2014): Just-in-Time Teaching in software engineering: A Chinese-German empirical case study. IEEE: Global Engineering Education Conference EDUCON, Istanbul. S. 983-986.