Beratung mit Bildkarten

Kurzzusammenfassung:

Im Hochschulkontext spielt die individuelle und effektive Beratung von Studierenden eine zentrale Rolle für qualitativ hochwertige Lehre. Im Folgenden geht es um die Verwendung von Bildkarten in der Beratung, um die Kommunikation zwischen Lehrperson und Studierenden in Einzelgesprächen zu unterstützen.


Übersicht

Ziele:

  • Die Studierenden können Themen (z.B. ihre Ziele oder Schwierigkeiten) bildhaft machen.
  • Studierende und Lehrpersonen erhalten Unterstützung bei schwierigen Gesprächen.
  • Studierende können Gefühle und Gedanken besser ausdrücken.

Didaktische Funktion(en):

  • Einstieg & Aktivierung

Hintergrund / didaktisch-methodische Einordnung:

Bildkarten werden besonders häufig im Coaching eingesetzt und können entweder selbst erstellt oder von Anbietern erworben werden (z.B. Weidenmann & Weidenmann 2013). Dabei handelt es sich um Kartensets mit gedruckten Bildern (meist im Din-A5 Format), welche unterschiedliche Motive abbilden. Das können zum Beispiel Landschaften, Fotos von Menschen mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken oder abstrakten Figuren und Farben sein. Die Bilder können eingesetzt werden, um etwa Gefühle zu verbildlichen oder metaphorisch ein Ziel zu konkretisieren. Der Einsatz von derartigen Bildern in der Beratung bietet sich laut Weidenmann & Weidenmann (2013) insbesondere dann an, wenn a) es den Studierenden schwer fällt, über etwas zu sprechen oder etwas in Worte zu fassen, b) sehr allgemein über ein Thema gesprochen wird, c) sehr rational über ein Thema gesprochen wird, d) Probleme bestehen, sich etwas vorzustellen (vgl. Bartel & Hagel 2019).

Sozialform(en):

Einzelarbeit, Partnerarbeit

Anzahl der Lernenden:

ab 1 Person


Voraussetzungen und Ressourcen

Voraussetzungen:

Für einen gelungenen Beratungsprozess benötigen Lehrperson(en) beratungstheoretisches und arbeitsspezifisches Fachwissen, Methodenkompetenz (z.B. aktives Zuhören, Paraphrasieren, Systemisches Fragen) sowie eine professionelle Haltung (z.B. wertschätzendes Verstehen, ausgeprägte Selbstreflexion oder Interesse und Zuversicht am Klienten) (vgl. Bartel & Hagel 2019).

Ausstattung & Medien:

Set von Bildkarten


Ablauf

Beispiele oder Materialien:

Fallbeispiel für den Einsatz von Bildkarten (aus Bartel & Hagel 2019):

"Nachdem Monika geschildert hat, warum sie sich an Prof. B. gewandt hat, fällt es ihr schwer, konkret zu formulieren, was eigentlich ihr konkretes Ziel ist. Prof. B. bittet sie daher eine Karte aus einem Kartenset wählen. Nach anfänglicher Skepsis sucht sie eine Karte aus, auf der ein steiler Abgrund sowie eine wackelige Hängebrücke zu sehen sind, an deren Anfang zwei Personen mit großen Rucksäcken stehen (siehe Abb. 2). Monika beschreibt, dass sie sich mit dem Bild identifizieren könne, da für sie die andere Seite eine erfolgreiche Beendigung des Studiums darstellt, sie aber nicht wisse, wie sie dorthin gelangen solle. Im Beratungsgespräch wurde diese Metapher im Folgenden wieder aufgegriffen. Mit Hilfe der Visualisierung wurden drei Kernpunkte erarbeitet: Es wurde anschaulich das Ziel („die andere Seite“) sowie der Grund für das Erreichen des Ziels thematisiert. Auch wurden die Eigenschaften des Weges („die Brücke“) und Hindernisse („schwerer Rucksack“) ausgeführt. Durch das Bild wurde das Beratungsanliegen ebenso wie später die Lösungsvisionen der Studentin sehr deutlich erkennbar und es gelang, verschiedene zielführende Strategien mit der Studentin zu entwickeln."

Hinweise zur Vorbereitung:

Auswahl geeigneter Karten

Hinweise zur Nachbereitung:

Die Ergebnisse werden ggf. gespeichert und den Lernenden zur Verfügung gestellt.

Hinweise zur Dauer: je nach Gesprächsdauer sehr unterschiedlich


Kritische Einordnung

Vorteile und Stärken:

Bildkarten unterstützen die Kommunikation und Interaktion zwischen Lehrperson und Studierenden. Aufgrund der Abstrahierung des Beratungsgegenstands können auch versteckte Aspekte, wie Konflikte oder Ängste, sichtbar werden.

Grenzen und Schwächen:

Es kann mitunter hohe Beratungskompetenz erfordern, professionell in unerwarteten Situationen zu reagieren.

Sonstige Hinweise:

Der hier beschriebene Einsatz von Bildkarten in der Beratung ist sehr allgemein gehalten. Besonders gut eignen sich Bildkarten zum Beispiel bei Lösungsorientierten Ansätzen (vgl. Bartel & Hagel 2019).


Literatur und weiterführende Hinweise
  • Bartel, P.; Hagel, G. (2019): Lösungsorientierte Beratung in der Hochschullehre (2), S. 18-30.
  • Weidenmann, S.; Weidenmann, B. (2013): 75 Bildkarten für Coaching und Beratung. Beltz.